Argumente
 

Argumente für die Gründung einer gentechnikfreien Anbauregion Kreis Reutlingen

Erhalt der bäuerlichen Unabhängigkeit
Gentechnisch veränderte Sorten unterliegen dem Patentschutz. Der seit jeher übliche eigene Nachbau von Saatgut ist dann nur noch nach Genehmigung durch den Patentinhaber und Bezahlung der Lizenzgebühren möglich. Gentechnikfreie Regionen können unsere bäuerliche Landwirtschaft vor dem Zugriff der großen Saatgutkonzerne schützen.

Erschließen neuer Absatzmärkte
Gentechnikfreie Regionen erhalten bestehende und erschließen neue Absatzmärkte für hochwertige Erzeugnisse. So soll die gentechnikfreie Landwirtschaft ein Qualitätsmerkmal und ein Vorteil der Landwirte im Kreis Reutlingen im Wettbewerb mit anderen Regionen werden.

Verminderung von Konflikten
Durch das Nebeneinander (»Koexistenz«) von konventionellen und Gentech-Landwirten rollt eine Welle von Rechtsstreitigkeiten auf die Bauern zu. Bislang ist keine Versicherung bereit, das durch die Agro-Gentechnik entstehende Haftungsrisiko zu übernehmen. Mit der gentechnikfreien Anbauregion lässt sich dieser Streit in unseren Dörfern verhindern.

Verhinderung von Mehrkosten
Die »Koexistenz« würde gentechnikfrei wirtschaftenden Landwirten viel Mehraufwand verursachen, besonders durch die kleinparzellierte Flächenstruktur des Kreis Reutlingen: Sie müssten Verunreinigungen verhindern, ihre Anbaupläne absprechen, Abstandsregeln einhalten und die Erzeugnisse strikt trennen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven. In der gentechnikfreien Anbauregion können wir uns das sparen.

Partnerschaft zwischen Bauern und Verbrauchern
Über 70% der Bevölkerung lehnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Bei der »Koexistenz« besteht immer die Gefahr von Verunreinigungen. In der gentechnikfreien Anbauregion Kreis Reutlingen können wir dagegen weitgehend gentechnikfreie Nahrung produzieren. Dies schafft Vertrauen bei den Verbrauchern.

Erhalt der Kulturpflanzenvielfalt
Der Anbau von genverändertem Saatgut reduziert die Vielfalt der Kulturpflanzen. Diese ist jedoch ein wichtiger Teil unserer Kulturgeschichte und dient der langfristigen Ernährungssicherung. Die gentechnikfreie Anbauregion leistet einen Beitrag zur Erhaltung der Sortenvielfalt.

Komentar:

Noch näher zusammen rücken
Es ist eine bunt gemischte Allianz aus Bauern- und Umweltverbänden, die den Landkreis Reutlingen zur gentechnikfreien Zone machen möchte. Und es sind Partner mit unterschiedlichen Motiven. Den Umweltverbänden geht es um die Risiken einer womöglich zu wenig erforschten Technologie. Die Landwirte fürchten um Produktionssicherheit und Vermarktungswege. Dass es ein Zweckbündnis ist, tut dem Ergebnis keinen Abbruch. Die klassische Gegnerschaft zwischen Landwirten und Naturschützern ist – von gelegentlichen Reibereien abgesehen – länger schon Vergangenheit. Dazu haben auch die Förderprogramme Plenum und Regionen Aktiv beigetragen, die die ungleichen Bundesgenossen in verschiedenen gemeinsamen Projekten an einem Strang ziehen lassen. In ihrer skeptischen Haltung zur Gentechnik in der Landwirtschaft rücken sie jetzt noch ein Stück näher zusammen. Gut für den Verbraucher, gut für den Landkreis. Die regionalen Vermarktungswege, der mit Fördermitteln unterstützte Versuch, landwirtschaftliche Produkte aus dem Landkreis zur Qualitätsmarke zu machen – all das kann nur glaubhaft weiter entwickelt werden, wenn der regionale Verzicht auf Gentechnik gelingt. Die Gentechnik mag für einzelne Landwirte Chancen bieten. Der Verzicht darauf bietet Chancen für die ganze Region.
Christine Dewald, Reutlinger General-Anzeiger, 18.02.2004



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